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mllesatine [userpic]
Keine Tragödie (Ennis/Jack, NC-17)
by mllesatine (mllesatine)
at May 20th, 2007 (06:53 pm)
hot

current mood: hot

Titel: Keine Tragödie
Fandom: Brokeback Mountain
Autor: Satine

Zusammenfassung: Was wäre, wenn der Sturm nicht gewesen wäre und Ennis und Jack einen weiteren Monat auf Brokeback zugebracht hätten?
Rating: ab 16
Pairing: Ennis del Mar/Jack Twist
Wörter: 5100
Disclaimer: Brokeback Mountain gehört nicht mir, ich verdiene hiermit kein Geld. Alles ist Fiktion.
Beta: Aika135




"Ich hasse dieses verdammte Zeug", sagte Jack. Es war seine erste Woche auf dem Brokeback und bereits jetzt konnte Jack Twist keine Bohnen mehr sehen. Jack hatte nichts dagegen, für seinen Lohn auch zu arbeiten, aber zwei Mal am Tag zur Hochweide und zurück zu reiten und sich die Nächte damit um die Ohren zu schlagen, Kojoten zu vertreiben, war kein Vergnügen.

Ennis del Mar antwortete nicht, aber Jack hatte nichts anderes erwartet.

"Was wird das, wenn's fertig ist?", fragte Jack.

Ennis grunzte. Es gab keine bessere Bezeichnung für den Laut, den er irgendwo hinten in seiner Kehle produzierte und dann durch zusammengebissene Lippen presste.

"Bist du morgen früh noch da? Wenn nicht, dann komme ich erst zum Abendessen zurück", erklärte Jack nun. Er rückte seinen Cowboyhut zurecht, ließ seine Gabel in die leere Konserve fallen und wischte sich die Hände an seiner Jeans ab.

Er warf del Mar aus den Augenwinkeln einen Blick zu. Jack hatte in den wenigen Tagen, die sie sich kannten, gelernt, dass Ennis sich meistens hinter einer Mauer des Schweigens versteckte und er ihm Zeit lassen musste, wenn er eine Antwort auf eine Frage wollte. Jack setzte sich dichter ans Feuer.

"Werde bei Tagesanbruch aufbrechen", murmelte Ennis schließlich. Morgen war ein Freitag und das hieß, dass Ennis ins Tal reiten würde, um die wöchentliche Verpflegung zu holen.

"Ennis, du könntest mir auch einfach die Uhrzeit sagen, anstatt irgendwas über den Sonnenaufgang zu erzählen", sagte Jack grinsend, lehnte sich zurück und streckte die Beine aus.

"Du solltest wissen, wann die Sonne aufgeht, Twist." Damit stand Ennis auf, ging ein paar Schritte in Richtung Wald, öffnete seine Hose und pisste in das Unterholz am Rand der Lichtung.

"Du kannst mich ruhig beim Vornamen nennen, Del Mar!" Jack hörte, wie Ennis halblaut fluchte, wahrscheinlich, weil er sich auf die Stiefel gepisst hatte. Jack lachte laut, als Ennis sich wieder neben ihn setzte.

Den Cowboyhut weit ins Gesicht gezogen, konnte Jack nur Kinnpartie und Mund sehen, aber das genügte, um zu erkennen, dass Ennis Lachen auf seine Kosten nicht gut vertrug.

"Ich werd' mich mal lieber auf den Weg machen", verkündete Jack und stand auf. Ennis goss sich eine weitere Tasse Kaffee ein, während Jack seine Stute sattelte, aufsaß und sie langsam zum Rande des Rastplatzes trieb.

"Dann bis Morgen zum Abendessen", rief er, erhielt aber keine Antwort. Er warf einen letzten Blick auf die Lichtung und sah, dass Ennis sich nicht einmal die Mühe machte, ihm nachzusehen und lieber weiter sein Holzstück bearbeitete.

+++

Am nächsten Tag ritt Jack in ein leeres Lager - kein Ennis, keine Pferde, kein Feuer - und für den Bruchteil einer Sekunde dachte er, Ennis hätte es nicht mehr ausgehalten und die Arbeit aufgegeben, erst dann fiel ihm ein, dass Ennis ja die Verpflegung holen sollte.

Jack zündete ein neues Lagerfeuer an, wärmte den Kaffee auf, den Ennis vom Frühstück übrig gelassen hatte, und wartete.

Er wartete und wartete und als ihm das Warten zu bunt wurde, stand er auf, spülte Kaffeepott und Blechtasse im Fluss aus, öffnete seine letzte Zigarettenpackung, blies den Rauch aus wie ein Pferd, das durch die Nüstern schnaubt und versuchte sich an Rauchringen. Ennis blieb weiterhin verschwunden.

Jack setzte sich zurück ans Feuer, spielte Mundharmonika, entlockte dem verbogenen Instrument ein paar missmutige Töne und ließ es schließlich bleiben, weil niemand da war, um seine musikalischen Einlagen zu hören.

Als es auf den Sonnenuntergang zuging, wurde Jack von einer neuen Unruhe gepackt. Was, wenn Ennis tatsächlich die Flinte ins Korn geworfen und Brokeback verlassen hatte? Ein weiterer Sommer, in dem er allein tausend Schafe hüten sollte?

Aguirre würde keinen zweiten Mann mehr hoch schicken, dafür war er viel zu geizig. Wer wusste, ob sich überhaupt einer für diese Art von Arbeit finden würde.

Als Jack das Schlagen von Pferdehufen hörte, sprang er auf und lief Ennis entgegen.

"Wo zur Hölle warst du? Ich komme hier runter nach zwei Stunden Ritt und alles, was ich kriege, ist kalter Kaffee von heute früh."

Ennis stieg von seinem Pferd, begann die Satteltaschen der Tiere zu leeren, sah Jack nicht mal an.

"Ich hab dich was gefragt, Del Mar!"

Ennis schnaubte.

"Bär kam mir in die Quere."

Jack hielt inne, sah, dass keines der Tiere Verpflegung trug.

"Ein Bär? Einer von den Braunbären?", fragte er ungläubig. "Alles in Ordnung? Verfluchte Scheiße! Ein echter Braunbär?"

Ennis nickte.

"Pferde sind durchgedreht und haben die Verpflegung verloren. Ich habe das verdammte Maultier nicht einfangen können, denke, es ist wieder nach Hause gelaufen."

Er trat in den Schein des Feuers und setzte sich mit dem Rücken zum Baumstamm, der ihnen als Tisch und Sitzplatz gleichermaßen diente. Da erst sah Jack das getrocknete Blut in Ennis' Haaren, den grimmigen Ausdruck in seinen Augen.

"Scheiße, Ennis! Was ist mit dir passiert?"

"Pferd hat keinen Reiter mehr gewollt, als es den Bären gesehen hat."

"Und ich dachte, ich hätte das Pferd, das leicht durchgeht."

Die Bemerkung brachte Ennis tatsächlich zum Lächeln und Jack nahm den Lappen, den er fürs Waschen benutzte und tunkte ihn in den wassergefüllten Blechbehälter, der auf dem Rost über dem Feuer stand.

Er wartete, bis Ennis seinen Hut abgenommen hatte und wischte dann über das getrocknete Blut an dessen Schläfe. Ennis wich der Berührung aus, packte Jacks Hand und entriss ihm den Lappen.

"Das erledige ich selbst", erklärte er.

Jack sah dabei zu, fragte Ennis, ob er schwer verletzt sei, und überlegte dann laut, ob er diese Nacht nicht lieber im Lager bleiben sollte. Ennis sah ihn erbost an, erinnerte ihn an Aguirres Worte.

"Bei den Schafen schlafen, Jack."

"Ach ja? Ich geh nicht eher, bis ich was gegessen habe. Ich hoffe, da ist was zum Essen in den Satteltaschen gewesen und du solltest lieber beten, dass es keine Bohnen sind, Ennis del Mar. Sonst lernst du mal eine andere Seite von mir kennen."

Natürlich waren es Bohnen. Jack sah zu, wie Ennis zwei Büchsen öffnete und auf den Rost stellte und in der Blechkanne daneben Kaffee kochte.

Als der Bohnenbrei Blasen warf und Jack ihr Abendessen lange genug mit Abscheu angestarrt hatte, sagte Ennis: "Ist das deine neue Seite, Jack? Schweigend dasitzen und aussehen, als würden dich die Bohnen jeden Moment anfallen?"

Jack war so überrascht, dass Ennis ohne Aufforderung gesprochen hatte, dass er sein Abendessen für den Moment vergaß und Ennis unverhohlen anstarrte. Ennis blickte allerdings nicht auf, sondern beschäftigte sich damit, den Kaffee in zwei gesprungene Emailletassen zu gießen.

"Essen ist fertig, Twist. Du solltest dich beeilen, wenn du heute noch zu den Schafen willst."

Jack kratzte sich am Kinn und grinste in sich hinein.

"Keine Bohnen mehr, Ennis", bat er später. "Und morgen schießen wir irgendwas. Elch vielleicht. Die verdammte Forstaufsicht kommt nie bis hier oben. Keiner, der was mitkriegen könnte."

Ennis stimmte nicht zu, aber Jack war sich sicher, dass ihm die Bohnen genauso zum Halse heraus hingen. Als Jack am nächsten Morgen ins Lager geritten kam, sah er Ennis am Feuer sitzen und sein Gewehr säubern. Sein Herz machte einen Satz und er fing an zu singen, ein Lied, das seine Mutter ihm beigebracht hatte, über den Herrn Jesus und wie er übers Wasser lief.

"Wenn du weiter so einen Krach veranstaltest, werden wir noch eine ganze Weile mit Bohnen auskommen müssen", warnte Ennis und sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an.

Der Abend war der Beste, den sie bis dahin hatten. Frisches Fleisch auf dem Grill, dazu das Brot, das Ennis gebacken hatte und eine Flasche Whiskey, die sie sich brüderlich teilten.

Die Nacht war sternenklar, in der Ferne heulten die Kojoten und Ennis erzählte Jack davon, wie der Braunbär hinter einer Weggabelung stand, als hätte er auf ihn und die Pferde regelrecht gewartet.

"Fast zwei Stunden bin ich hinter den Pferden her, immer das Gefühl im Nacken, der Bär wär' noch irgendwo in der Nähe. Bin dann über einen Teil der Verpflegung gestolpert, hatte aber keine Zeit, alles aufzusammeln. Allerdings-!", sagte er und machte eine bedeutungsschwangere Pause.

Jack sah ihn halb lächelnd und mit gerunzelter Stirn an. Aus dem halben Lächeln wurde ein ganzes, als Ennis eine Stange Zigaretten aus der Satteltasche, die hinter seinem Baumstamm lag, hervor holte.

"Hätte nicht gewusst, wie ich die nächste Woche ohne überstehe, Freund", sagte Jack und öffnete die erste Packung. Sie rauchten schweigend für einige Minuten. Schließlich stand Jack fast widerwillig auf und machte sich wegfertig.

"Bis morgen früh", verabschiedete er sich.

"Bis morgen", kam die halbgemurmelte Antwort. Jack lächelte in die Dunkelheit und trieb sein Pferd an.

Ennis war nirgends zu sehen, als er am nächsten Tag ins Lager ritt, aber da die Pferde an Ort und Stelle waren, dachte er sich nichts weiter, setzte sich ans Feuer und goss Kaffee in eine der Blechtassen.

Er wärmte sich die Hände an der Tasse, wartete, bis der Kaffee etwas abgekühlt war und gerade als er zum Trinken ansetzte, stolperte Ennis aus dem Zelt.

Jack setzte zum Sprechen an, bemerkte aber, dass Ennis damit beschäftigt war, seinen Gürtel zu schließen.

Er sah weg, ehe Ennis es hätte sehen können. Jack trank seinen Kaffee und beobachtete aus den Augenwinkeln, wie Ennis zu den Pferden ging, sich lange an einer der Vorratskisten, die man mit einem Seilzug vor wilden Tieren sichern konnte, zu schaffen machte, sich den Hut tiefer in die Stirn zog und sich dann erst neben Jack setzte.

Jack senkte seinerseits den Kopf, bis sein Kinn fast auf seiner Brust lag, und versuchte nicht zu lachen.

"Bist früh zurück", sagte Ennis und Jack hörte den Vorwurf darin oder bildete sich zumindest ein, ihn zu hören. Das brachte ihn noch mehr zum Lachen.

"War hungrig. Was gibt's zu essen?"

"Noch Bohnen von gestern da, kann dir auch ein paar Eier aufschlagen."

"Nicht mehr nötig", erwiderte Jack und biss sich auf die Lippen. Seine Schultern zitterten, so sehr versuchte er, das Lachen zu unterdrücken.

Ennis knirschte mit den Zähnen und Jack riskierte einen Blick in seine Richtung, sah den hochroten Kopf und konnte das Lachen nicht länger zurück halten.

"Nichts, was ich nicht auch tue, Freund", sagte er kameradschaftlich und klopfte Ennis auf die Schulter. Ennis wich seinem Blick aus, stand auf, ging zurück zu den Pferden.

Am Abend saßen sie auf die gewohnte Weise beieinander, den Rücken an ihren jeweiligen Baumstamm gelehnt, die Füße so dicht am Feuer, wie sie es wagen konnten, ohne, dass das Leder ihrer Stiefel zu schmoren anfing. Nach dem Essen kämpften sie sich durch ein paar Lieder, hauptsächlich Countrysongs, die Jack auf seiner Mundharmonika begleitete.

"Pack das Ding weg, Jack, ich kriege noch Kopfschmerzen", sagte Ennis im Scherz und versuchte Jack die Mundharmonika aus der Hand zu schlagen.

"Was? Nicht zufrieden mit der Band?", fragte Jack lachend.

"Band, Twist? Einsamer Rodeoreiter mit einer verstimmten Harmonika ist noch keine Band, da wo ich herkomme."

"Für dich vielleicht", antwortete Jack, blies absichtlich falsch in die Harmonika, pfiff die Melodie nach und spülte den Bohnengeschmack mit Whiskey runter, ehe er übertrieben lässig meinte: "Bin nicht mehr ganz so einsam, wo ich dich doch habe."

Ennis griff nach der Flasche, leerte sie mit einem langen Zug und stellte sie gegen die Steinumgrenzung des Lagerfeuers.

"Warst du letztes Jahr allein hier oben?", fragte er, um überhaupt etwas zu sagen.

"Mm, ja. Ich habe nur einmal in der Woche Menschen gesehen und zwar, wenn ich meine Verpflegung geholt habe. Ansonsten nur Schafe und Jack Twist."

"Wette, die Schafe wissen jetzt ne ganze Menge mehr über dich."

"Die haben sich nie beschwert, wenn ich ihnen Gutenachtgeschichten erzählt habe."

Ennis lachte. Der Whiskey verbreitete ein angenehm schweres Gefühl in seinem Magen.

"Aguirre hat aber eingesehen, dass das keine Arbeit für einen Einzelnen ist. Letztes Jahr sind 40 Schafe auf einen Schlag gestorben. Blitz hat eingeschlagen, als ich durch das Gewitter zurück zum Lager ritt. Ich bin dann am nächsten Tag zurück auf die Weiden und hab erst dann die Bescherung gesehen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie das gestunken hat, als ich die Kadaver vergraben habe. Aguirre wollte mir sogar was vom Lohn abziehen, der alte Hurensohn. Als wär' das verdammte Wetter meine Schuld."

"Warum bist du zurück gekommen?", fragte Ennis.

"Selber Grund wie du, nehme ich an. Ich brauche das Geld und Schafehüten ist nicht das Schlechteste, was man tun kann."

Ennis nickte.

"Und du, Ennis? Was hast du so getrieben und was hat dich zum Brokeback verschlagen?"

Ennis öffnete die nächste Flasche, nahm einen Schluck, fühlte das scharfe Brennen die Kehle hinabrinnen, den bitteren Nachgeschmack, der sich über seine Zunge legte.

"Meine Schwester hat letztes Jahr geheiratet. Konnte schlecht bei ihr und ihrem Mann bleiben. Musste mir woanders Arbeit suchen. Letzter Trucker, der mich mitgenommen hat, ist durch Signal gefahren, hat mir von der Forstverwaltung erzählt. Dachte, ich könnte da anfangen. Dann meinte der Trucker, er kennt einen, der hat hier Schafe in der Gegend."

"Aguirre", warf Jack ein.

Ennis nickte, überraschte Jack damit, dass er weiter erzählte. Jack sah zur Whiskeyflasche und beschloss, auf jeden Fall Nachschub zu bestellen, wenn sie die nächste Liste aufsetzten.

"Hab ein Mädchen zu Hause und will was ansparen, um ihr was zu bieten."

"Du denkst sicher oft an sie", sagte Jack und dachte an das, was Ennis im Zelt getan haben musste, als er am Nachmittag ins Lager geritten war.

"Alma. Wir wollen heiraten."

"Ist sie hübsch?"

Ennis nickte.

"Habt ihr schon-?"

"Sie ist nicht so eine, lebt auch noch bei ihren Eltern. Also konnten wir schlecht-!" Er brach ab.

"Verstehe. Aber gewollt hätt's du's schon gerne, oder?", fragte Jack und wunderte sich, warum er so eine Frage stellte.

"Hatte noch keine Gelegenheit zum Sündigen."

Jack schwieg und dachte für eine Weile darüber nach. Er hatte es auch noch nie getrieben, aber das lag sicher nicht daran, dass er's nicht versucht hätte. Und Ennis hatte seine Ische und wartete? Das wollte ihm nicht so richtig in den Kopf.

Jack blickte zum Mond, der unaufhaltsam über die Bäume gekrochen kam, und meinte: "Muss zurück zu den Schafen. Die warten auf ihre Gutenachtgeschichte."

Sie verabschiedeten sich und Jack trat den zweistündigen Ritt zur Hochweide an. Die Kojoten ließen die Herde in dieser Nacht nicht in Ruhe, aber irgendwann gab Jack es auf, sie verjagen zu wollen, wickelte sich in seine Decke und schlief im nach Katzenpisse stinkenden Dackelzelt ein, um am nächsten Morgen von lautem Donner geweckt zu werden.

Er wischte sich den Schlaf aus den Augen und spähte aus dem Zelt. Die Schafe hatten sich zu einem verwischten weißen Knäuel zusammen geschlossen, Gewitterwolken hingen schwarz und schwer über ihnen, Regen lang wie Bindfäden und hart wie Stein schlug gegen die Zeltwände.

Das Wasser drang durch Jacks Kleidung, ehe er alles richtig eingepackt hatte und als er im Hauptlager ankam, war er nicht nur durchnässt und hundemüde, sondern auch richtig schlecht gelaunt.

Ennis kam ihm entgegen, schüttelte den Kopf.

"Alles in Ordnung?"

"Sieht das aus, als wäre alles in Ordnung?" Jack stieg vom Pferd, zog seine Jacke aus, sein Hemd über den Kopf und warf den schweren, nassen Stoff zu Boden.

Ennis tätschelte die Stute, nahm ihr den Sattel ab und begann sie trocken zu reiben, während Jack mühselig Stiefel und Jeans auszog, neue Sachen anzog und sich eine der Decken aus dem Zelt holte.
Er wickelte sich in die Decke ein und setzte sich ans Feuer.

Er zitterte immer noch, als Ennis sich neben ihn setzte.

"Hat's hier auch so geregnet?", fragte Jack und nahm einen Schluck aus seiner Kaffeetasse, die er fest mit beiden Händen umklammerte.

"Platzregen, aber das Gewitter hat sich abgeregnet und ist weiter gezogen." Ennis deutete auf die Spitze des Berges.

"Scheiße, ist mir kalt."

Ennis musterte Jack für einen Augenblick. Er sah wirklich hundselend aus, wie er so missmutig aus der Decke lugte und versuchte, die Kaffeetasse auf den zitternden Knien zu balancieren. Nasse Haarsträhnen klebten wie dicke, schwarze Würmer in seinem Nacken und sorgten dafür, dass die Decke um seinen Hals schnell dunkle Wasserflecken bekam. Alles in allem ein gotterbärmlicher Anblick.

"Wenn du willst, kannst du dich ins Zelt legen. Alles trocken."

"Sicher nicht wärmer wie hier am Feuer", gab Jack zu bedenken.

Ennis zuckte mit den Schultern.

"Verdammter Aguirre! Der Hurensohn hat kein Recht mich da hoch zu schicken. 'Schlaf mit den Schafen!' So ein Mist! Wette, der Fettsack sitzt kein vier Stunden am Tag im Sattel und friert sich den Arsch ab."

"Sich drüber aufzuregen, bringt auch nichts."

"Ich sollte das nicht machen müssen, darum geht's hier. Kann mich nicht zwingen, der alte Hurensohn", murmelte Jack vor sich hin.

"Wir können tauschen. Würde mir nichts ausmachen." Ennis stocherte mit einem Zweig in der Glut und Asche des Feuers.

"Keiner sollte das machen müssen, Ennis."

"Würde mir nich' viel ausmachen, da hoch zu reiten und die Schafe zu hüten", wiederholte Ennis.

"Ich sollte dich warnen, das Zelt stinkt nach Katzenpisse oder schlimmer. Gestern haben mich die verdammten Kojoten die halbe Nacht wach gehalten." Jack zog die Decke fester um sich. Er konnte nicht glauben, dass Ennis sich diesen Mist freiwillig antun würde.

"Macht mir nix aus."

"Mach, was du willst. Ich glaub, ich hau mich doch hin. Werde die Kälte einfach wegschlafen. Weckst du mich, wenn das Essen fertig ist?"

Ennis nickte und Jack trottete zum Zelt, ließ sich auf die Schlafmatten fallen und schlief wenig später ein.

Am Abend machte Ennis sich auf den Weg zu den Schafen und es war an Jack, sich um das Lager zu kümmern. Und so ging es dann die nächsten zwei Wochen. Jack stand am Morgen auf, machte das Feuer an, versorgte die Pferde und versuchte sich mehr schlecht als recht am Kochen. Ennis tauchte am späten Nachmittag auf, erzählte, ob er Kojoten gesehen hatte und berichtete manchmal davon, welche geschossen zu haben. Er setzte sich ans Feuer, aß, ohne zu murren, was auch immer Jack ihm vorsetzte - knüppelharte Kekse, angebrannte Bratkartoffeln, matschigen Bohnenbrei - spülte alles mit Whiskey herunter, rauchte, redete.

Die Tage wurden länger und die Zeiträume, in denen die Schafe unbewacht waren, dehnten sich. Sie saßen jeden Abend lange nebeneinander am Lagerfeuer und teilten sich eine Whiskeyflasche, erzählten. Ab und an erklang Jacks Mundharmonikaspiel, das die Kojoten in der Ferne heulen ließ.

+++

Jack wusste nicht genau, ob es die dritte Flasche war oder erst die zweite. Der Mond stand voll am Himmel, erhellte das Lager so gut, dass Jack Ennis' Gesichtszüge auch ohne das Feuer hätte ausmachen können.

"Die Schafe haben mich so nervös gemacht, dass ich noch nich' mal einen auswringen konnte", sagte Jack nachdenklich.

Ennis starrte ins Feuer, erwiderte nichts.

"Geht's dir auch so, Ennis?", hakte Jack nach.

"Ich glaube, du bist betrunken, Jack."

Jack beäugte misstrauisch die Whiskeyflasche. "Möglich."

Ennis grinste, kratzte sich am Kopf. "Denke nicht, dass ich noch hoch reite, werde mich hier schlafen legen, wenn du noch eine Decke erübrigen kannst."

"Du wirst dir den Arsch abfrier'n, wenn's Feuer ausgeht, Freund. Besser, du schläfst im Zelt. Schlafbett is' groß genug."

Ennis schüttelte den Kopf, kämpfte damit, die Augen weiter offen zu halten.

Jack stand auf, fühlte mit einem Mal, wie schwer seine Beine waren und wie verdammt leicht sein Kopf plötzlich schien.

Rein ins Zelt, in eine Decke eingehüllt und sofort weg. Aber Jack träumte schlecht. Davon, dass die Schafe vom Regen weggewischt wurden und die Forstaufsicht Bäume fällte. Er träumte von Jesus, der über den Fluss neben dem Lager lief und sich über sein Mundharmonikaspiel beschwerte.

Jack wachte auf und rieb sich müde die Augen. Er begriff erst nicht, dass das, was er für das Geräusch des Holzfällens gehalten hatte, nicht aus seinem Traum kam, sondern das Klappern von Ennis' Zähnen war.

Jack befreite sich von seiner Decke und kroch zum Zelteingang. Er schlug die Plane zurück und sah Ennis neben dem erloschenen Feuer zusammengekauert unter einer einzigen Decke liegen.

"Komm ins verdammte Zelt, Ennis. Is' nicht zum Aushalten dein Zahnklappern!"

Es dauerte nicht lange und Ennis lag neben ihm und Jack lächelte in die Dunkelheit und nahm sich vor, Ennis von Jesus zu erzählen, der über das arschkalte Wasser des Flusses lief.

Aber da war er schon wieder eingeschlafen. Schafe, überall Schafe. Hatte keinen auswringen können, mit den Schafen, die dastanden und zusahen.

Jack wachte auf und bemerkte, was der Traum bewirkt hatte, dann hörte er das Schnarchen. Richtig, Ennis war im Zelt.

Jack schloss die Augen. Er drehte sich zur Seite und versuchte wieder einzuschlafen, aber einmal gewahr geworden, konnte Jack nicht mehr aufhören, an Ennis zu denken.

Er hatte ihn oft genug nackt vor einem Topf mit heißem Wasser hockend gesehen. Dieses Bild tauchte jetzt unvermittelt vor seinem geistigen Auge auf. Jack schob eine Hand in seinen Schritt, darauf bedacht, kein Geräusch zu machen.

Er lehnte sich zurück, sah über seine Schulter auf Ennis schlafende Form, langte dann mit der rechten Hand nach hinten, packte Ennis Hand und zog sie über seinen Körper. Ennis schlief oder begriff nicht, was passierte.

Das änderte sich allerdings, als Jack Ennis' Hand gegen seinen harten Schwanz drückte. Ennis erwachte mit einem Schlag, war schon fast aus dem Zelt, ehe er Jack ansah.

"Was tust du?", fragte er. Noch schwamm mehr Verwirrung als Ärger in seiner Stimme.

Jack konnte es nicht erklären, aber er wusste plötzlich, was er von Ennis wollte. Ehe er es selbst richtig verstand, hatte er seine Jacke ausgezogen und seinen Gürtel aufgeschnallt.

Ennis wehrte Jacks Versuche, ihn an sich zu ziehen, mit grimmigem Gesichtsausdruck ab, öffnete jedoch im nächsten Moment seinen eigenen Gürtel. Er fragte Jack nicht mehr, packte stattdessen Jacks Taille und hob ihn auf alle Viere.

Seine Hände wanderten zu Jacks Hosenbund, zogen den Stoff nach unten, entblößten seinen nackten Hintern. Ennis spuckte in seine rechte Hand und rieb sich ein, die linke Hand blieb vorerst an Jacks Taille. Er kniete sich hinter Jack, drang in ihn ein und begann sofort, heftig in ihn zu stoßen.

Jack biss sich auf die Lippen, atmete scharf ein, denn Ennis' zusätzliches Gewicht brachte seine Arme zum Zittern und ließ ihn beinahe vornüber fallen.

Ennis schlug frustriert mit der Faust auf den Boden vor ihnen, weil er, so schien es, weder vor noch zurück konnte und Jack packte die Hand und zog sie zwischen seine Beine.

Ennis leistete ganze und schnelle Arbeit. Jack warnte ihn mit einem "Schuss löst sich“ und kam mit einer Heftigkeit, die ihn selbst überraschte.

Er spürte Ennis' hastige Stöße, fühlte sich wie ein Rodeopferd, das seinen Reiter jeden Moment abwirft. Ennis schien es zu merken, drang ein letztes Mal ganz in ihn, hielt völlig still, grollte etwas Unverständliches und zog sich eine Sekunde später zurück. Er rollte sich in seine Decke ein und bewegte sich nicht mehr.

Jack mühte sich, seine Atmung unter Kontrolle zu bringen, ließ sich auf das Schlafbett fallen, zog seine Hose nach oben und schloss erschöpft die Augen. In seinem Kopf drehte sich alles.

+++

Am nächsten Morgen sah er, wie Ennis seinen Gürtel fest zurrte, ehe er das Zelt verließ. Jack folgte ihm langsam, sah zu, wie Ennis in aller Eile sein Pferd sattelte.

"Wir sehen uns dann heute Abend", sagte er, aber da hatte Ennis ihm schon den Rücken zugekehrt und war aus dem Lager geritten.

Ennis kam spät am Abend zurück, den Hut so weit in die Stirn gezogen, wie an dem Tag, als sie sich vor Aguirres Büro zum ersten Mal getroffen hatten. Er sah Jack kaum an und wenn, dann mit einem Ausdruck in den vom Hut beschatteten Augen, den Jack nicht deuten konnte und wollte.

Sie aßen schweigend und gleich darauf griff Ennis zur Whiskeyflasche und nahm einen großen Schluck. Er reichte die Flasche an Jack weiter, der dankbar trank und sich dann eine Zigarette anzündete.

"Was da passiert ist-!", sagte Ennis nach einer Weile. Er räusperte sich.

"Ist ne' einmalige Sache", warf Jack ein. "Geht keinen was an außer uns."

Hinter ihnen spießte sich der Mond auf einem Felshügel auf, die Holzscheite knackten und knisterten im Feuer. Ab und an stoben Funken auf wie ein Nest Glühwürmchen.

"Ich mache mich auf den Weg", sagte Ennis schließlich.

"Werde mich auch gleich hinhauen", meinte Jack.

Sie standen auf und ihre Blick trafen sich, ehe Ennis zu seinem Pferd, Cigar Butt, ging. Jack biss sich auf die Lippen, fand den Dreck vor seinen Füßen plötzlich interessanter als Ennis' Aufbruch und wartete darauf, dass Ennis das Lager verließ.

Nachdem er eine Minute so dagestanden hatte, begriff er, wie lächerlich es war, Ennis verabschieden zu wollen. Jack ging zum Zelt und kroch hinein.

Ennis tätschelte Cigar Butts Hals, wartete, solange er eben warten konnte, ging Jack dann nach.

Er kniete am Zelteingang nieder, den Cowboyhut vor sich gehalten, den Kopf gesenkt. Jack lag mit hinter dem Kopf verschränkten Armen da, hatte sein Hemd ausgezogen, ebenso seine Schuhe. Ennis wollte wieder aufstehen und verschwinden, als Jack die Augen aufschlug und ihn ansah.

Jack setzte sich auf, nahm ihm den Hut aus der Hand und legte ihn zur Seite. Er nahm Ennis' Gesicht in seine Hände und hielt ihn so davon ab, auszuweichen, als er Ennis küsste.

Ennis hatte die Lippen fest aufeinander gepresst, konnte nicht auf das reagieren, was Jack tat. Er hatte sich eingeredet, dass die Einsamkeit und der Alkohol ihn dazu gebracht hatten, über Jack herzufallen.

Ennis erwartete, dass Jack wahnsinnig wütend wäre, wütend und beschämt wegen dieser Sache. Stattdessen löste Jack sich von Ennis, neigte den Kopf zur Seite und küsste ihn erneut.

Und Ennis konnte nicht anders und erwiderte den Kuss. Sie sanken eng umschlungen auf das Schlafbett und Ennis ließ sich von Jack halten, bis dieser Ennis auf den Rücken rollte und sich auf ihn legte.

Jack konnte Ennis' Härte fühlen, murmelte in sein Ohr: "Dein Colt oder freust du dich einfach, mich zu sehen?"

Ennis drehte den Kopf zur Seite, als wollte er Jacks Worten entkommen, aber sein Mund verzog sich in ein widerwilliges Grinsen.

"Kein Grund, so was zu sagen."

Jack zuckte mit den Schultern und ließ es dabei bewenden. Er lehnte sich nach vorne, um Ennis zu küssen, streichelte dabei über Ennis' Haare und dessen Wange. Sie nahmen sich diesmal die Zeit, ihre Hosen nicht nur zu öffnen und herunter zu schieben, sondern auch tatsächlich auszuziehen. Ennis spuckte in seine Hand, rieb sich ein und positionierte sich hinter Jack.

Er legte eine Hand auf Jacks Rücken und drückte ihn nach unten, bis Jack fast vollständig auf den Decken lag, nur noch den Hintern in die Höhe gereckt hielt, sein gesamtes Gewicht auf seinen Knien und Unterarmen balancierend.

Ennis klammerte sich an Jacks Hüften und drang in ihn ein. Sie bewegten sich gegeneinander, stöhnten. Ennis lehnte sich nach vorn, presste sein Gesicht auf Jacks verschwitzte Haut. Er küsste Jacks Ohr, seine Schultern und spürte, wie Jack unter ihm zitterte, erhöhte das Tempo seiner Stöße.

"Hör nicht auf", keuchte Jack, als ob er tatsächlich befürchtete, Ennis könnte dazu in der Lage sein.

Ennis kam zuerst, schob seine Hand unter Jacks Körper und griff nach Jacks hartem Schwanz. Jack kam praktisch, sobald Ennis ihn berührte, rollte dann zur Seite und richtete sich auf.

Schweigend und ohne einander anzusehen, zogen sie sich wieder an.

Sie setzten sich zurück ans Feuer. Ennis versteckte sein Gesicht unter seinem Cowboyhut und Jack sah zum Hang des Brokeback, wo die Schafe für den Rest des Sommers unbewacht weiden würden.

Jack rückte näher ans Feuer, zog seine Jacke fester um sich.

"Hab da oben heute ein gerissenes Schaf gefunden. Blut und Grütze, wo man hinsah", sagte Ennis. "Kojote hat es gerissen, als ich gestern hier war."

Jack wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Er versuchte, den Kloß in seinem Hals mit einem Schluck Whiskey runter zu spülen. Sie sahen ins Feuer, reichten die Whiskeyflasche hin und her. In der Ferne heulten Kojoten auf, die Baumwipfel raschelten im Wind. Schließlich stand Ennis auf.

"Bis morgen dann", verabschiedete er sich.

"Bis morgen."

+++

Angefangen hatte ihr Streit harmlos genug, nämlich damit, dass Ennis Jack den schlechtesten Harmonikaspieler nannte, den er je getroffen hatte, eine Beleidigung, die Jack natürlich nicht auf sich sitzen lassen konnte.

Er jagte hinter Ennis her und brachte ihn zu Fall. Sie rollten den kleinen Hang, der das Lager von einer Seite umschloss, hinunter, lachten, kabbelten sich. Jack landete auf Ennis und murmelte, einem plötzlichen Impuls folgend: "Ich will es anders rum probieren."

Er hätte nichts Falscheres sagen können. Ennis schob ihn von sich, das Gesicht in blanker Wut verzogen, und sprang auf. Jack stand ebenfalls auf und zischte: "Was? Ich lasse dich schließlich die ganze Zeit und du kannst es nicht wenigstens-!" Er beendete den Satz nicht, weil Ennis ihm im nächsten Moment mit voller Wucht ins Gesicht schlug.

Jack taumelte nach hinten, hielt sich die blutende Nase und sah Ennis an.

"So ist das also", sagte er trocken und schlug nun seinerseits Ennis. Es war ein dreckiger Kampf, ganz anders als die Raufereien, die sie sich sonst immer lieferten.

Sie brachen erst auseinander, als sie den Hufschlag eines Pferdes hörten.

Ennis wischte sich das Blut vom Mund und sah Aguirre an, der auf seinem Schimmel sitzend auf sie hinuntersah.

Jack spuckte zur Seite, blickte dann ebenfalls auf.

"Ich bezahl euch nicht dafür, dass ihr hier eure persönlichen Streitereien austragt, sondern dafür, dass ihr meine Schafe hütet", begann Aguirre und dachte dabei, dass er es von Anfang an gewusst hatte und diese zwei Bauernlümmel nichts taugten.

"Du!", sagte er und deutete auf Jack. "Dein Onkel hat eine Lungenentzündung und ich soll dich wissen lassen, dass er's wahrscheinlich nicht schafft."

Etwas wie Häme funkelte in Aguirres Augen und Jack senkte den Blick.

"Solltest du nicht sowieso bei den Schafen sein?"

"Ist das Essen und Trinken etwa auch nicht erlaubt?", fragte Jack und spuckte erneut zur Seite.

Aguirre verstand die Geste, ließ sich aber nichts anmerken.

"Pass bloß auf dein Mundwerk auf, noch bezahle ich dich."

Ennis hatte sich derweil seine Jacke angezogen und war zu den Pferden gegangen. Er saß auf.

"Ich mache mich dann auf den Weg."

Aguirre blickte zu del Mar, dann zurück zu Twist.

"Hatte ich nicht dir den Auftrag gegeben, bei den Schafen zu bleiben?"

"Wir haben getauscht", antwortete Ennis und warf Jack einen Blick zu.

"Wenn das alles ist, ich will jetzt zurück zu den Schafen. Ist ein Zweistundenritt." Damit trieb er Cigar Butt aus dem Lager und ließ Aguirre und Jack allein.

"Deine Eltern haben nach dir gefragt, Twist", sagte Aguirre fast widerwillig. Er sah Jacks blutige Nase, das am Kragen gerissene Hemd.

Jack spürte eine Welle von Übelkeit in sich aufsteigen. Er wischte sich die Nase ab, stemmte eine Hand in die Seite, unterdrückte einen Schmerzenslaut, starrte auf seine Füße.

"Sagen Sie ihnen, es geht mir gut."

Aguirres' Pferd tänzelte zur Seite und schnaubte angestrengt. Aguirre zog die Zügeln an und das Pferd warf wütend den Kopf nach hinten.

"Heute ist Mittwoch, Twist. Geh mal davon aus, dass man am Freitag mehr über deinen Onkel weiß. Frag die Leute, die euch die Verpflegung bringen. Wenn ich bis dahin etwas erfahre, komme ich noch mal hoch und gebe Bescheid."

Jack nickte. Er sah erst wieder auf, als Aguirre außer Hörweite war.

Ende Teil 1


Comments

Posted by: Mandy (isobel_thoreaux)
Posted at: March 17th, 2012 07:40 pm (UTC)

:-)))

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